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Schwerbehinert - Schutzmantel, nicht Diagnose

Schwerbehindert - was nun?

 

... nach Krebsdiagnose, OP vielleicht gar Amputation und anschließender Chemobehandlung - auf einmal soll ich schwerbehindert sein?

... nach Unfall - auf einmal querschnittsgelähmt und im Rollstuhl. Alle Welt schaut auf mich von oben herab, nur wie soll ich, schwerbehindert,  wieder auf die Kanzel kommen?

... blind seit der Geburt. Schule, Abi alles geschafft. Theologiestudium ging auch. Aber nun Vikariat: Wie wird die Gemeinde reagieren? Geht das, schwerbehindert im Pfarramt?

 

Ganz unterschiedlich, ganz individuell trifft einen das Schicksal: "schwerbehindert". Dabei - kein Mensch ist schwerbehindert. Er/Sie hat ein Handicap, mag von der Gesellschaft oder der Umwelt behindert werden. Die Feststellung der Schwerbehinderteneigenschaft passiert jedoch nicht, trifft niemanden als Schicksalsschlag. Vielmehr ist sie ein gesetzlicher Schutzmantel, der einzig und allein auf Antrag des Menschen mit Handicap von den dafür zuständigen staatlichen Stellen zuerkannt wird, wenn und falls die gesundheitlichen Voraussetzungen dafür vorliegen. Genauer - und mit dem Behinderungsbegriff des im Gesetzgebungsverfahren befindlichen Bundesteilhabegesetzes (BTHG) - gesagt: Wenn die bio-psycho-sozialen Gegebenheiten so sind, dass eine Behinderung festgestellt werden kann.

 

Die Erkrankung, das Handicap bringt Einschränkungen, Belastungen, Schmerzen auch Ängste mit sich. Die Eigenschaft "schwerbehindert" dagegen ist ein rechtlicher Schutzmantel, der - wenn er denn zuerkannt und nach eigenem Ermessen angezogen wurde - rechtliche Nachteilsausgleiche und gesellschaftliche Teilhabemöglichkeiten bietet. Diese reichen , je nach festgestelltem Grad der Behinderung (GdB), von der Einkommens- und Kfz-Steuer bis hin zu Rundfunkgebührenermäßigung oder Parkerleichterungen. Verbilligte Eintritte in Museen und Theater oder besondere öffentliche Toiletten, aber auch stufenlose Pastoratseingänge oder barrierefreie Prüfungsbedingungen in den theologischen Examina gehören zu den Teilhabemöglichkeiten.

So ist denn auch das Pfarrdienstverhältnis betroffen. Statt der sonst üblichen Fürsorgepflicht schuldet der Dienstherr Nordkirche schwerbehinderten  Pastor*innen eine besondere Fürsorgepflicht.

 

Meine Aufgabe als Vertrauensmann (SBV) ist es, schwerbehinderte, behinderte und von Behinderung bedrohte Pastor*innen und Vikar*innen in allen Fragen rund um diesen "Schutzmantel" schwerbehindert zu beraten, zu unterstützen und ihnen beizustehen sowie darauf zu achten, dass der Dienstherr Nordkirche seiner besonderen Fürsorgepflicht gerecht wird.